Wenn du 2026 zur praktischen Prüfung antrittst, kann es gut sein, dass dein Prüfer kein Klemmbrett mehr in der Hand hält, sondern ein Tablet. Kurze Antwort vorweg: Die Fahraufgaben bleiben unverändert, die Bewertungskriterien auch — was sich ändert, ist die Form der Dokumentation. Du bekommst das Ergebnis schneller, dein Fahrlehrer ein deutlich detaillierteres Feedback.
Was sich konkret ändert
TÜV Süd und DEKRA haben in den letzten Jahren begonnen, ihre Bewertungsbögen für die praktische Führerscheinprüfung zu digitalisieren. 2026 ist diese Umstellung in vielen Prüfstellen — auch in Baden-Württemberg — weitgehend erfolgt. Statt mit Stift und Papier arbeitet der Prüfer auf einem Tablet, das den standardisierten Bewertungsmerkmal-Katalog des Bundes als App abbildet.
Für dich als Prüfling ist das während der Fahrt kaum spürbar. Der Prüfer sitzt wie gewohnt hinten oder vorne rechts, er gibt Anweisungen, er beobachtet — und tippt zwischendurch in sein Tablet. Wer es nicht weiß, hält das anfangs für Nervosität-Auslöser. Ist es nicht: Der Prüfer dokumentiert genau das, was er früher auf dem Papierbogen mit Strichen vermerkt hat.
Was an deiner Prüfung gleich bleibt
Hier wird oft Verunsicherung gestreut, die unnötig ist. Folgendes ist 2026 unverändert:
Dauer. Klasse B: 55 Minuten reine Fahrzeit. Nicht länger, nicht kürzer.
Fahraufgaben. Die Pflichtelemente bleiben identisch — Anfahren, Spurwechsel, Fahrstreifenbenutzung, Vorbeifahren und Überholen, Einparken (Rückwärtseinparken, Querparken, Längsparken), abbiegen, Geschwindigkeit anpassen, Verhalten an Bahnübergängen, Autobahn- und Landstraßenanteil je nach Sonderfahrtenpflicht.
Bewertungskriterien. Der bundesweit gültige Bewertungsmerkmal-Katalog der Prüforganisationen wird abgearbeitet. Verkehrsbeobachtung, Geschwindigkeit, Spurführung, Fahrzeugbedienung, vorausschauendes Fahren, Eigeninitiative — alle Kategorien sind identisch zur Papierversion. Ein Tablet bewertet nicht strenger als ein Stift.
Durchfallgründe. Was schon immer zum sofortigen Abbruch geführt hat (gefährliche Situation, Verstoß gegen die Vorfahrtsregel mit Behinderung, Missachtung einer roten Ampel), führt auch im Tablet-System dazu. Der Prüfer tippt einen Knopf — die Endbewertung steht.
Was sich für dich verbessert
Zwei Punkte sind echte Vorteile:
Schnelleres Endergebnis. Auf Papier musste der Prüfer am Ende durchblättern, zählen, abwägen. Mit dem Tablet ist die Auswertung in Sekunden fertig. Du sitzt nicht mehr fünf Minuten im Auto und wartest darauf, was rauskommt. Das Ergebnis kommt direkt nach dem Abstellen.
Klarere Begründung. Die digitalen Bögen führen pro Bewertungsmerkmal mit, was angekreuzt wurde. Wenn du fragst, warum eine bestimmte Stelle bemängelt wurde, kann der Prüfer das punktgenau zeigen — Datum, Uhrzeit, Position, Kategorie. Diskussionen über “das war doch nicht so schlimm” verlieren ihre Grundlage.
Der Bewertungsmerkmal-Katalog 2026 im Überblick
Damit du eine realistische Vorstellung hast, was bewertet wird. Die Hauptkategorien sind:
| Kategorie | Was bewertet wird |
|---|---|
| Verkehrsbeobachtung | Schulterblick, Spiegel, vorausschauende Wahrnehmung |
| Fahrzeugbedienung | Schaltung, Lenkung, Pedale, Bedienelemente |
| Geschwindigkeit | Anpassung an Verkehr, Sicht, Witterung |
| Spurführung | Abstand, Position in der Spur, Spurwechsel |
| Vorfahrt und Vorrang | Rechts-vor-links, Verkehrszeichen, Ampeln |
| Verhalten gegenüber anderen | Kommunikation, Rücksicht, Gefährdung |
| Umweltbewusstes Fahren | Drehzahl, Rollenlassen, vorausschauendes Lupfen |
| Eigenständigkeit | Eigeninitiative, Selbstkorrektur, Sicherheit |
Jede Kategorie ist in mehrere Unterpunkte gegliedert, die der Prüfer einzeln antippt. Im Papier-Bogen waren es Striche, im digitalen Bogen Häkchen — der Detailgrad ist gleich.
Wie das Tablet vom Prüfling wahrgenommen wird
Wir hören in den ersten Nachbesprechungen oft: “Der hat die ganze Zeit auf sein Tablet getippt — habe ich so viel falsch gemacht?” Das ist eine fast immer falsche Wahrnehmung.
Der Prüfer dokumentiert auch positive Beobachtungen. Ein Häkchen kann heißen “korrekt geschaltet”, “ausreichender Schulterblick”, “angemessene Geschwindigkeit”. Auf dem Tablet wird mehr getippt als früher auf Papier — weil es schneller geht und mehr aktiv erfasst wird, nicht weil mehr Fehler entstehen.
Praktischer Tipp: Schau nicht auf das Tablet. Schau auf die Straße. Wer während der Prüfung versucht zu deuten, was getippt wird, fährt schlechter.
Was dein Fahrlehrer nach der Prüfung bekommt
Hier liegt der eigentliche Mehrwert der Digitalisierung. Nach bestandener oder nicht bestandener Prüfung erhält die Fahrschule eine standardisierte Auswertung — bisher als Papier-Durchschlag, jetzt als digitales Protokoll. Im digitalen Format ist erkennbar:
- An welchen Stellen die meisten Bewertungspunkte angefallen sind
- Welche Kategorien gehäuft auftraten
- Welche Unterpunkte besonders ins Gewicht gefallen sind
Das hilft uns als Fahrschule, gezielter zu trainieren. Wenn ein Fahrschüler die Prüfung nicht besteht, sehen wir nicht mehr nur “durchgefallen wegen Spurwechsel”, sondern “drei Bewertungen Spurwechsel ohne ausreichenden Schulterblick zwischen Minute 12 und 28”. Das macht den Wiederholungstermin sinnvoller.
Auch über mehrere Schüler hinweg lassen sich Trends erkennen. Wenn auffällig viele unserer Prüflinge an Kreisverkehren patzen, wissen wir, wo wir mehr Zeit investieren müssen. Diese Datenbasis war auf Papier praktisch nicht herzustellen.
Was du selbst beeinflussen kannst
Die Digitalisierung ändert die Prüfung nicht — sie macht sie nur transparenter. Was hilft, ist das Gleiche wie immer:
- Vorausschauend fahren, nicht reagierend
- Den Schulterblick sichtbar machen (Kopf bewegt sich, nicht nur die Augen)
- Vor jedem Spurwechsel: Spiegel, Blinker, Schulterblick — in dieser Reihenfolge
- Geschwindigkeit aktiv anpassen, nicht erst auf Aufforderung
- Im Zweifel eher defensiv als sportlich — der Prüfer sucht nicht den schnellsten Fahrer
Wer das beherrscht, besteht — mit oder ohne Tablet.
Fazit
Die digitale Bewertung ist 2026 weitgehend Realität, nicht Ausnahme. Für dich ändert sich an der Prüfung selbst nichts: Fahraufgaben, Dauer, Kriterien und Durchfallgründe sind identisch. Was sich verbessert, ist die Geschwindigkeit der Auswertung und der Detailgrad der Nachbesprechung.
Wenn du gut vorbereitet zur Prüfung kommst, ist das Tablet egal. Wenn du unsicher bist, hilft dir die schnellere Auswertung sogar — du erfährst direkter, woran du arbeiten musst.
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